Was ist ein CARFAX-Report?
CARFAX ist eine Firma, die sich auf die Sammlung von Fahrzeug-Informationen spezialisiert hat. Was bei uns undenkbar wäre, nämlich Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen einzusammeln, zu aggregieren und zu verkaufen, ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Normalität. Natürlich profitieren auch die Strafverfolgungsbehörden von dieser Datensammlung.
Basis für die Suche nach Informationen ist die 17-stellige Fahrgestellnummer eines Fahrzeuges (vehicle identification number = VIN) die es seit Anfang bis Mitte der 80er Jahre gibt (für Oldtimer also noch nicht nutzbar) und bei praktisch jedem Fahrzeug hinter der Frontscheibe auf einem kleinen Schild zu finden ist, oder natürlich in den Fahrzeugpapieren. Auch Fahrzeuge die einmal aus Amerika gekommen sind, können so noch überprüft werden, zumindest bis zum Export. Da wird dann schnell deutlich, ob der Meilenstand angehen kann oder nicht.
CARFAX Vehicle History Reports™ geben eine Vielzahl von Informationen, wenn sie erfaßt wurden:
* Title informations = Registrierungsinformationen, incl. Unfall- oder Verschrottungshinweise
* Flood damage history = Ist das Fahrzeug bei Überflutungen beschädigt worden?
* Total loss accident history = Hatte der Wagen mal einen “Totalschaden”?
* Odometer readings = Meilen-Stände
* Lemon history = “Zitronen-Report” = Gab es viele Rückrufe / Reparaturen an dem Wagen?
* State emissions inspection results = “SMOG-Test” = Hat der Wagen die AU bestanden?
* Accident indicators = Ist der Airbag losgegangen?
* Number of owners = Anzahl der Vorbesitzer
* Service records = Werkstattbesuche
* Lien activity = Gibt es noch jemand anderen, der Besitzrechte an dem Wagen hat (z.B. Bank)
* Vehicle use (taxi, rental, lease, etc.) = Wurde der Wagen als Taxi, Mietwagen oder Leasingfahrzeug zugelassen?
Die aktuelle Datenbank enthält mehr als 6 Milliarden Einträge. CARFAX erhält ihre Informationen aus über 20.000 (!!!) Quellen, inclusive aller Departments of Motor Vehicles = DMV (Zulassungsstellen) in den USA und Kanada, sowie von “TÜV”-Stationen, Auto-Auktionen, Flottenmanagement-Firmen und Mietwagengesellschaften, sowie von Auto-Herstellern, der Feuerwehr und der Polizei. Weitere Infos zum Umfang des Datenbestandes sind auf der offiziellen, englisch-sprachigen, Webseite zu finden: www.carfax.com/data_sources.cfx
Wie bekommt man einen CARFAX-Report?
Man kann den Zugang zwar online bestellen, musste aber bisher eine amerikanische Adresse, ein Bankkonto das auf diese lautet und die dazugehörige Kreditkarte besitzen. Ohne Bekannten in Amerika ging da gar nichts.
Seit Anfang September 2008 kann man auch als Europäer den Carfax-Report selbst bestellen (!), da die Carfax Europe GmbH, München, diesen Service nun auch für “die alte Welt” bereit stellt:
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Kostenloser CARFAX Record Check |
Einfach die Fahrgestellnummer (VIN) in das obige Formular eingeben. Wenn es Einträge gibt, kostet der Report pro Fahrzeug / Fahrgestellnummer(!) 24.99 Euro (mittlerweile gibt es auch Pauschal-Pakete mit 5 Reports zu 29.99 Euro und 10 Reports zu 34.99 Euro).
WICHTIG: “Kostenlos” ist nur die Überprüfung, ob das Fahrzeug in der Datenbank enthalten ist. Ein wenig mißverständlich. Die Zahlung per Kreditkarte und PayPal ist problemlos möglich. Die Akzeptanz einer EC-Karte wurde leider eingestellt.
Ist damit die Historie eines Wagen lückenlos nachweisbar?
NEIN. Jedes Informationsarchiv ist nur so gut wie seine Pflege. Nicht jeder Unfall wird protokolliert und nur ein kleiner Teil der Werkstätten liefert Informationen über Service-Intervalle, aber bei den offiziellen Stellen sind die Informationen sehr gut und bei einem “SMOG-Test”, also einer Abgas-Untersuchung die, soweit ich weiss, jährlich fällig ist, genauso wie die Verlängerung der Registrierung, wird der Meilen-Stand notiert.
Sagen wir es mal so: Wer auf einen CARFAX-Report bei einem neueren Fahrzeug verzichtet, geht ein ungleich höheres Risiko ein, einen Wagen mit zweifelhafter Historie zu kaufen. Es ist aber auch keine Garantie für ein “sauberes” Auto. Eine Probefahrt kann dieser Report nicht ersetzen und eine persönliche Begutachtung des Zustandes erst recht nicht. Er zeigt halt nur, dass die “Papierform” stimmt.
Beispiel gefällig?
Hier ein CARFAX-Report eines 2006er Mustang V6, der nach Deutschland exportiert wurde. Problem: Der Wagen hatte einen “wirtschaftlichen Totalschaden”, wurde danach repariert und wieder zugelassen. Hoffentlich hat der neue Besitzer in Deutschland davon gewußt! Einfach auf die Bilder klicken!